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Erfahrungsbericht von Rolf Hogel
Einige Jahre habe ich schon mit verschiedenen Ferngläsern den Nachthimmel beobachtet:
- Pentax 7x50 PCF
- Zeiss Jenoptem 7x50
- Nikon Marine 7x50
- Nikon 0Action 8x4
- Vixen Ultima 8x56
- TS 8x56
- Eschenbach Farlux 9x63
- Zeiss Dekarem 10x50
Von all diesen Geräten habe ich nur das Zeiss 10x50 behalten, benutze es aber meist nur zur Vogelbeobachtung am Tage, seltener für einen kurzen Blick an den Nachthimmel.
So richtige astronomische Freude ist aber bei all diesen Gläsern nie aufgekommen, aber ich wusste eigentlich nicht so recht warum.
Mit meinem 12,5“/f4,8 Dobson bin ich immer öfter ganz ohne Fernglas im Okularkoffer rausgefahren. Dann habe ich den Nachthimmel mit einem Fernglas ganz neu entdeckt! Für einige Wochen hatte ich leihweise ein Fujinon 7x50 zur Verfügung und diese Bilder von der spätsommerlichen Milchstraße haben mich umgehauen: wunderbar ebenes Bildfeld, tolle Schärfe und Kontrast, ein sehr angenehmes Einblickverhalten – eben ein „Wohlfühlglas“!
Allerdings war mir die Austrittspupille von 7mm bei dem schlechten Niederrheinhimmel zu viel und im direkten Vergleich mit meinem 10x50 Zeiss Dekarem war der Hintergrund im Fujinon eher grau und manches Deep-Sky-Objekt „soff“ regelrecht im 7x50 ab.
Dennoch war ich tief beeindruckt und ich fasste ein 10x50 Fujinon ins Auge aber: knapp 600 Euronen? für ein Fernglas? Als ich dann in verschiedenen Foren im Internet von dem TS 10x50 Marine las, war schnell klar, dass ich es damit probieren wollte.
Ruckzuck beim Wolfi bestellt und am nächsten Tag war das Glas gut verpackt da. Die Daten des TS 10x50 Marine kann man ja hier auf Wolfis Seite nachlesen und so beschränke ich mich ganz auf die Darstellung meiner ersten, subjektiven Eindrücke:
Erste subjektive Eindrücke vom TS Marine 10x50
Das gummiarmierte Glas steckt in einer schwarzen Gewebetasche mit Klettverschluss, hat fest verbundene Objektivdeckel (die aber leider meist von selber runterklappen) und ist insgesamt (bis auf die Deckel!) sehr sauber verarbeitet, sodass man nicht den Eindruck hat, ein „China-Billig-Produkt“ in Händen zu halten, sondern eher ein Edelteil aus einer ganz anderen Preisklasse.
Die Gängigkeit von Knickbrücke und der Fokussierung der Okulare ist stramm, aber aus meiner Sicht schon richtig (wenn auch beim Fujinon ein wenig leichtgängiger).
Im direkten Vergleich hatte ich mein Zeiss 10x50 Dekarem, ein Glas, das die meisten wohl zur Himmelsbeobachtung verwenden, wie man kürzlich auf „astronomie.de“ unter „Mein bestes Fernglas“ lesen konnte. In frischer Erinnerung hatte ich die Eindrücke von besagtem 7x50 Fujinon. Beobachtet wurde die Milchstraße rund um den Schwan und an einem späteren Abend der Mond durch größere Wolkenlücken.
1) Schärfe
Das Ts zeigt in der Bildmitte die gleiche, sehr gute Schärfe wie das Zeiss (oder aus der Erinnerung das Fujinon). Nach etwa 70% wird das Zeiss zum Rand hin unschärfer, hat aber auch das etwas größere Gesichtsfeld. Das TS wird nach etwas 90% unschärfer am Rand, während das Fujinon erst am äußersten Rand leichte Schwächen zeigte. Man muss aber beim TS wirklich nach dieser Unschärfe suchen und verrenkt sich dabei die Augen. ............... Wirklich auffallen tut sie nämlich nie.
2) Kontrast/Brillanz
Das TS hat - und das war der erste, umwerfende Eindruck – ein enorm brillantes Bild (vergleichbar mit dem Fujinon), während die Bilder vom Mond im Zeiss etwas gelblicher, die Bilder von Sternfeldern etwas milchiger waren. Blick man dann wieder durch das TS, dann mochte man glauben, jemand habe einen feinen Film von den Linsen gezogen: pechschwarzer Himmel, knackig helle, fein definierte Sternpünktchen. Hier hat sich – so scheint mir – mit den Jahren hinsichtlich der Vergütung also eine Menge getan (mein Zeiss ist immerhin etwa 30 Jahre alt!).
Der fast volle Mond zeigte beim TS zwei kleine Reflexe, aber die waren auch beim Zeiss ähnlich zu sehen (leider habe ich im Fujinon den Mond nicht beobachten können). Stellt man den Mond ganz an den Rand des TS, so bleibt die Mondscheibe schön rund dank des sehr ebenen Bildfeldes und sie wird nicht zum Osterei, wie ich es in so manchem anderen Fernglas gesehen habe, weil sie so kissenförmig verzeichnen.
3) Handhabung
Dabei ist es leicht, mit dem TS die richtige Schärfe zu finden. Der Einblick (in meinem Fall ohne Brille) ist sehr angenehm, es gibt keine Black-Outs. Der Augenabstand ist sehr komfortabel, viel besser als beim Zeiss, an das man unangenehm nah ran muss, um das gesamte Bild überblicken zu können.
Das TS liegt satt in der Hand und weil es so schwer ist (1,6kg, Fujinon 1,4kg) verstärkt sich durch die Masseträgheit das Zittern der Hände nicht so stark wie beim nur 900gr schweren Zeiss. Das Bild im TS ist also etwas ruhiger, aber man muss auch mehr Gewicht „stemmen“ (wie in manchen Berichten negativ vermerkt wurde).
Natürlich habe ich das TS 10x50 Marine auch am Tag getestet. Wenn man das Glas auf ein Stativ stellt, kann man gut kontrollieren, ob die Justage stimmt, wenn man Objekte (entfernter Dachgiebel. o.ä.) in verschiedene Segmente des Gesichtsfeldes stellt und die Plazierung in beiden Okularen vergleicht. In meinem Fall: Justage tipp topp!
Fazit:
Das TS 10x50 Marine ist ein feines Glas. Man packt es aus, schaut durch und ist vom ersten Moment an begeistert. Man fühlt sich irgendwie wohl und weiß, dass man durch eine Spitzenoptik schaut. Wenn man bedenkt, dass man bisher gewohnt war, für in etwa vergleichbare Qualität das Doppelte (Fujinon) oder gar das 4-5fache (Zeiss-West/Leica/Swarovski) zu zahlen, dann ist das TS bei dieser optischen Qualität ein echtes Schnäppchen.
Allerdings mus man bedenken, dass man mit diesem Glas einen Spezialisten für den Nachthimmel kauft, denn für die Tagesbeobachtung ist das Glas durch die Einzelfokussierung zu langsam (z.B. um einen vorbei fliegenden Vogel zu verfolgen – und das immer scharf) und für längere Wanderungen ist es auf die Dauer zu schwer.
Aber am Nachthimmel ist das TS 10x50 Marine ein echter China-Kracher – ohne Zweifel - ... und mein neues „bestes Fernglas“!
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